Freitag, 30.10.2026
Domenico Müllensiefen – Manchmal muss man sich entscheiden (Lesung/Gespräch)

„Das waren deine Entscheidungen. Deine ganz allein. Wie immer.„
Was kann man mehr verlieren als den Mann und das Sorgerecht für die eigene Tochter. Domenico Müllensiefen schickt die LKW-Fahrerin Sandra durch Europa. Hart, komisch und überbordend erzählt er von einer, die nicht nur unserer aller Lasten transportiert, sondern auch ihre eigenen und bringt sie vor eine Entscheidung, die womöglich noch größer ist als der Wendekreis ihres Fahrzeugs. Der dritte Roman des preisgekrönten Magdeburger Autors und ein rasanter Start in die Literaturtage Rügen.
(c) Phillip Sipos
Heike Geißler – Michaela Kohlhaas (Lesung/Gespräch)

„Man wird die Toten nicht los.“
Heike Geißler erzählt in Michaela Kohlhaas vom Mut der Verzweiflung, der eine Friedhofsangestellte zur geächteten Aufrührerin gegen die Bequemlichkeit macht. Eine großartige und erschütternde Figur, die sich jeder Zuschreibung entzieht, auch der, die weibliche Neuauflage des Titelhelden aus Heinrich von Kleists Erzählung zu sein. Diese Kohlhaas hört auf, damit wir auf sie hören. Der gefeierte Roman der mit dem Sächsischen Literaturpreis 2026 ausgezeichneten Leipziger Autorin.
(c) Heike Steinweg
Mely Kiyak – Rügener Rede

„?“
Die Berliner Schriftstellerin und Kolumnistin Mely Kiyak, zu Recht mit dem Kurt-Tucholsky-Preis 2021 und dem Heinrich-Mann-Preis 2025 ausgezeichnet, hat mit ihrem jüngsten Buch „Gute Momente“ berührend und bewegend ihrem und unserem Leben gelauscht und darin auch sehr treffend den Sound von Meer und Menschen der Ostseeküste eingefangen. Es ist uns eine besondere Freude und Ehre, dass sie für die Literaturtage Rügen eine Rede zum Thema Aufhören schreiben wird, um sie am ersten Festivaltag zu halten. (Deren Inhalt ist uns noch nicht bekannt, daher auch noch kein Zitat.)
(c) Svenja Trierscheid
Samstag, 31.10.2026
Florian Scheibe – Verluste (Lesung/Gespräch)

„Alle zogen und zerrten an ihm. Alle wollten sein Geld.“
Ein Vater, eine Mutter und drei Kinder kämpfen gegen die Verluste, nicht nur den von Geld und Ansehen in der eigenen Familie, sondern auch den der ganzen Welt um sie herum. Als der Patriarch plant, einen Luxusbunker zu bauen, beginnen alle gegen die Wände zu laufen. Ein wendungsreicher, höchst amüsanter und nicht minder harter Roman des Berliner Schriftstellers und Theaterautors Florian Scheibe, der zeigt, es gibt kein Entrinnen, erst recht nicht in der Familie.
(c) Peter Rigaut
Christoph Peters – Entzug (Lesung/Gespräch)

„Ich muss aufhören zu trinken. Ich kann nicht aufhören zu trinken.„
Trinken und Nicht trinken heißen die beiden Teile dieses einzigartigen Romans von Christoph Peters, der schonungslos und mit bitterer Komik von der Alkoholsucht eines Schriftstellers und von einem harten Weg des Aufhörens erzählt. Der Autor macht keinen Hehl daraus, dass hier eigene Erfahrungen verarbeitet werden. Entzug ist große Literatur, der man sich nicht entziehen kann und zu Recht eines der gefeiertsten Bücher des Jahres.
(c) Peter von Felbert
Ingo Schulze – „Das Wasser im August“ (Lesung/Gespräch)

„Ich frage mich neuerdings, ob ich mir noch trauen kann.“
Der große Erzähler Ingo Schulze mit seinem vielleicht persönlichsten Buch. Ein Schriftsteller reist zu einer Lesung nach Mecklenburg und liest aus einer unveröffentlichten Novelle, die auf Erfahrungen basiert, die er als junger Mann in eben jener Gegend gemacht hat. Beim Lesen hört das alte Ich auf das junge und reflektiert über Schreiben, Leben und Liebe. Ein grandioser Roman, ausgezeichnet mit dem Uwe-Johnson-Preis 2026 und auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis.
(c) Andreas Labes
BAR TLEBY (Performance nach Motiven von Herman Melville)

„Nichts quält einen ernsten Menschen so sehr wie passiver Widerstand.“
Bartleby, Herman Melvilles wohl berühmteste Erzählung, wird zum Ausgangspunkt dieser Performance der Berliner Künstler Michael Graessner und Sebastian Orlac, die das Publikum in eine Schankstube im Westflügel des Festivalhauses einladen, um etwas lieber nicht zu tun.
Sonntag, 01.11.2026
Thea Mengeler – Öffentlicher Nahverkehr (Lesung/Gespräch)
01.11.2026 11:30 Uhr –
Hafenbahnhof

„Wem gebt ihr eure Scham zurück?“
Nachdem sie bloßgestellt wurde, steigt eine junge Influencerin aus und fährt stattdessen Bus. Statt als Frau ständig angestarrt zu werden, starrt sie nun zurück, beobachtet Mitreisende und spekuliert über deren Leben. Ein hochaktueller Roman über digitale Gewalt, Hass, Scham und wie wir den Fängen der Selbstbespiegelung entkommen können.
(c) Batuhan Aydin
Gabriele von Arnim – Abschied leben (Lesung/Gespräch)
01.11.2026 13:00 Uhr –
Hafenbahnhof

„Abschiede sind auch der Weg zur Freiheit.“
Nach ihrem vielbeachteten Buch „Das Leben ist ein vorübergehender Zustand“, in dem sie sich mit der Pflege des Lebenspartners auseinandersetzte, ist nun ein eindringlicher und bewegender Essay von Gabriele von Arnim erschienen, in dem sie den Ängsten, Zumutungen, aber auch der Kraft und dem Trost nachgeht, die dem Abschied innewohnen. Was kann es Besseres geben als eine Abschiedslesung in der Hafenstadt Sassnitz zum Ende der Literaturtage mit dieser großartigen Autorin.
(c) Paulina Hildesheim/laif