Donnerstag, 06.11.2025
Eröffnung der Literaturtage Rügen
Andrej Murašov – Der Himmel ist so laut (Lesung / Konzert)

„Alles was ich gewinne, werd’ ich einmal verlieren.“
In seinem zweiten Roman erzählt der gefeierte Schriftsteller und promovierte Rapper Andrej Murasov die Geschichte einer Band. Zerrissen zwischen Bosnien und Deutschland, persönlichen Krisen, Ambitionen und Abstürzen, ringen die jungen Figuren des Romans mit ihren sozialen und kulturellen Herkünften. Nur in der Musik finden sie gemeinsam eine Wahlheimat. Parallel zum Buch ist das Album der fiktiven Band erschienen, aus dem Murasov zur Eröffnung der Literaturtage performen wird.
(c) Jonathan Gordon
Freitag, 07.11.2025
Ariel Magnus – Die Verbliebenen vom Tempelfeld (Lesung/Gespräch)

„Denn er war kein Rebell ohne Grund, eher ein Grund für Rebellionen, die hier merkwürdigerweise nicht stattfanden.“
Ein Schelmenroman, ein Heimatroman. Und was für einer! Ein vergessener syrischer Flüchtling, ein deutscher Gärtner, eine israelischer Brezelbäcker und eine Freiheitskämpferin suchen inmitten der Hauptstadt auf der Brache des ehemaligen Flughafens das Glück der Verzweifelten. Komisch, vielschichtig und politisch unkorrekt erzählt Magnus vom unsicheren Zustand des Verbleibens. Der erste auf Deutsch geschriebene Roman des preisgekrönten argentinischen Autors.
(c) privat
Esther Dischereit – Eine Handvoll Dollarscheine (Lesung/Gespräch)

„Klären Sie bitte, wer hier mit wem zusammenhängt.“
Familie kann kompliziert sein, erst recht, wenn sie aus jüdischen Holocaust Überlebenden der 2. und 3. Generation besteht. In ihrem fulminanten Roman entfaltet Esther Dischereit ein Familienpanorama zwischen Berlin, Chicago, Heppenheim und Rom. Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse entwirrt der Roman die Verstrickung, nicht nur die in der Familie, sondern auch die mit dem Volk der Täter, komisch, bitter und brillant zugleich.
(c) Bettina Straub
KINO: In die Sonne schauen (dir: Mascha Schilinski)

„Ich habe eigentlich völlig umsonst gelebt“
Aus dem Leben von vier Schwestern in der Altmark, ein Zeit- und Erinnerungsstrom über 100 Jahre. Wie ein Blick in die Sonne lässt der gefeierte Film die Grenzen von Figuren und Zeiten verschwimmen und zeigt wie wir Generation für Generation unsere Geschichte weitergeben.
Die Literaturtage Rügen zeigen den Film in Kooperation mit den Lichtspielen Sassnitz e.V. in Anwesenheit der Regisseurin (Angefragt)
(c) Martin Kraft
Samstag, 08.11.2025
Josefine Soppa – Klick Klack, der Bergfrau erwacht (Lesung/Gespräch)

„Mein Baby liegt in Windeln. Mein Vater liegt in Windeln.“
In ihrem hochpoetischen Text untersucht Josefine Soppa den Zustand der Sprachlosigkeit, zwischen ihrem Baby, das noch nicht und ihrem Vater, der nicht mehr sprechen kann. Soppa befragt die KI und kämpft schreibend gegen den Verlust von Sprache und Herkunft. Eines der gewagtesten Texte des letzten Jahres, ausgezeichnet mit dem renommierten Wortmeldungen-Preis.
(c) Harriet Meyer
Markus Thielemann – Von Norden rollt ein Donner (Lesung/Gespräch)

„Die Tiere und das Land. Dafür sind wir Männer gemacht.“
Ein Schäferroman der Gegenwart. In seinem Debut durchschreitet Markus Thielemann mit einem jungen Schäfer nicht nur die Tiefe der Lüneburger Heidelandschaft, sondern auch die der deutschen Geschichte und zeigt gekonnt, wie junge Männer auf Abwege geraten können. 2024 noch auf der shortlist für den Deutschen Buchpreis, kommt Thielemann mit der bibliophilen Neuausgabe des Romans der Büchergilde Gutenberg zu uns auf die Insel.
(c) Gregor Kieseritzky
Annett Gröschner – Schwebende Lasten (Lesung/Gespräch)

„Sie hatte Höhenangst, aber das konnte sie nicht zugeben.“
Blumen verblühen jedes Jahr, die Protagonistin in Annett Gröschners Roman durchlebt als Magdeburger Blumenhändlerin und Kranfahrerin am eigenen Leib zwei Demokratien, zwei Weltkriege, zwei Diktaturen. In einer dichten, leichten Sprache bringt Gröschner die Lasten eines ganzen Jahrhunderts zum Schweben. Zurecht eines der gefeiertsten Bücher der Saison, auf der longlist für den Deutschen Buchpreis.
(c) Susanne Schleyer
Anna Seghers – Das Elfte Reich (Performance)

„Ihr habt noch viele Orden abzulegen.“
Anlässlich ihres 125. Geburtstages haben sich der Autor Sebastian Orlac und der Berliner Künstler Michael Graessner dieses Jahr Anna Seghers vielleicht komischste Erzählung „Reise ins Elfte Reich“ vorgenommen und verwandeln in ihrer Performance das Festivalhaus zu einer Einwanderungsbehörde in eine bessere Welt.
(c) Anne Radvanyi
Sonntag, 09.11.2025
letters found – Lesung der Werkstatt des Literaturrats e.V. (Lesung)
09.11.2025 11:30 Uhr – Glasbahnhof Sassnitz

Teilnehmende des interkulturelle Workshops des Literaturrats M.V. lesen aus Briefen.
(c) literaturrat mv
Peter Jordan – Kein Schöner Land (Lesung/Gespräch)
09.11.2025 13:00 Uhr – Glasbahnhof Sassnitz

„Wenn Geschichte vergessen wird, wiederholt sie sich.“
Mutig und eindringlich geht der gefeierte Schauspieler Peter Jordan neue Wege und beschäftigt sich in einem autobiographischen Essay mit Fragen der deutschen Schuld, seiner eigenen Herkunft, seiner Rolle als Vater und seinen Rollen als Nazi, die er wieder und wieder zu spielen hat. Ein aufrichtiges, scharfsinniges Buch eines der besten Schauspieler des Landes.
(c) Jeanne Degraa