Im fünften Jahr beschäftigen sich die Literaturtage Rügen mit dem Aufhören. Was passiert, wenn wir innehalten und unsere Ohren aufstellen? Drei Tage lang lädt das Festival in die Hafenstadt Sassnitz: zu Lesungen namhafter Autorinnen und Autoren, zu Kino, Performance und Debatte. Und wir laden Sie ein, das Publikum. Hört auf! Hört zu! Hört aufeinander!
Freitag, 30.10.2026
Domenico Müllensiefen – Manchmal muss man sich entscheiden (Lesung/Gespräch)

„Das waren deine Entscheidungen. Deine ganz allein. Wie immer.“
Was kann man mehr verlieren als den Mann und das Sorgerecht für die Tochter. Domenico Müllensiefen schickt eine LKW-Fahrerin durch Europa. Hart, komisch, überbordend erzählt er von einer, die nicht nur unserer aller Lasten transportiert, sondern auch ihre eigenen und bringt sie vor eine Entscheidung, die größer ist. als der Wendekreis ihres Trucks. Der dritte Roman des preisgekrönten Magdeburger Autors – ein rasanter Start in die Literaturtage.
(c) Philipp Sipos
Heike Geißler – Michaela Kohlhaas (Lesung/Gespräch)

„Man wird die Toten nicht los.“
Heike Geißler erzählt in Michaela Kohlhaas vom Mut der Verzweiflung einer Angestellten, die zur geächteten Aufrührerin gegen die Bequemlichkeit wird. Eine erschütternde Figur, die sich jeder Zuschreibung entzieht, auch der, die weibliche Neuauflage aus Heinrich von Kleists Erzählung zu werden. Diese Kohlhaas hört auf, damit wir auf sie hören. Ein fulminanter Roman der gefeierten Leipziger Autorin.
(c) Heike Steinweg
Mely Kiyak – Erste Rügener Rede

„?“
Die Berliner Schriftstellerin und Kolumnistin Mely Kiyak, zu Recht mit dem Kurt-Tucholsky-Preis und dem Heinrich-Mann-Preis 2025 ausgezeichnet, hat mit ihrem jüngsten Buch „Gute Momente“ berührend und bewegend ihrem und unserem Leben gelauscht und darin auch sehr treffend den Sound von Meer und Menschen an der Küste eingefangen. Eine große Freude und Ehre, dass sie für die Literaturtage übers „Aufhören“ die erste Rügener Rede schreiben und am ersten Festivaltag halten wird.
(c) Svenja Trierscheid
Samstag, 31.10.2026
Florian Scheibe – Verluste (Lesung/Gespräch)

„Alle zogen und zerrten an ihm. Alle wollten sein Geld.“
Ein Vater, eine Mutter und drei Kinder kämpfen gegen die Verluste, nicht nur den von Geld und Ansehen in der Familie, sondern auch den der ganzen Welt um sie herum. Als der Patriarch plant, einen Luxusbunker zu bauen, beginnen alle gegen die Wände zu laufen. Ein wendungsreicher, höchst amüsanter und harter Roman des Berliner Schriftstellers und Dramatikers Florian Scheibe. Es gibt kein Entrinnen, erst recht nicht in der Familie.
(c) Peter von Felbert
Christoph Peters – Entzug (Lesung/Gespräch)

„Ich muss aufhören zu trinken. Ich kann nicht aufhören zu trinken.“
„Trinken“ und „Nicht trinken“ heißen die beiden Teile dieses autofiktionalen oder gar autobiographischen Romans des Berliner Schriftstellers Christoph Peters, der schonungslos und mit bitterer Komik von der Alkoholsucht eines Autors erzählt und dem harten und langen Weg vom Aufhören. „Entzug“ ist große Literatur, der man sich nicht entziehen kann und zu Recht eines der gefeiertsten Bücher des Jahres.
(c) Peter von Felbert
Ingo Schulze – Das Wasser im August (Lesung/Gespräch)

„Ich frage mich neuerdings, ob ich mir noch trauen kann.“
Der große Erzähler Ingo Schulze mit seinem vielleicht persönlichsten Buch. Ein Schriftsteller reist zu einer Lesung nach Mecklenburg und liest aus einer unveröffentlichten Novelle, die auf Erfahrungen basiert, die er 1979 als junger Mann in eben jener Gegend gemacht hat. Beim Lesen hört das alte Ich auf das junge und reflektiert über Schreiben, Leben und Liebe. Und Zeugen von damals hören im Publikum mit. Ein grandioser Roman, ausgezeichnet mit dem Uwe-Johnson-Preis 2026.
(c) Andreas Labes
Bar Tleby – nach Motiven von Herman Melville (Performance)

„Nichts quält einen ernsten Menschen so sehr wie passiver Widerstand.“
Bartleby, Herman Melvilles wohl berühmteste Erzählung, wird zum Ausgangspunkt dieser Performance der Berliner Künstler Michael Graessner und Sebastian Orlac, die das Publikum in eine Schankstube im Westflügel des Festivalhauses einladen, um etwas lieber nicht zu tun.
Sonntag, 01.11.2026
Thea Mengeler – Öffentlicher Nahverkehr(Lesung/Gespräch)
01.11.2026 11:30 Uhr – Hafenbahnhof Sassnitz

Nachdem sie online bloßgestellt wurde, steigt eine junge Influencerin aus und entschließt sich stattdessen in einen Bus einzusteigen. Statt als Frau ständig angestarrt zu werden, starrt sie nun zurück, beobachtet Mitreisende und spekuliert über deren Leben. Ein hochaktueller Roman über digitale Gewalt, Hass, Beschämung von Frauen und wie wir es schaffen, den Fängen der Selbstbespiegelung entkommen können.
(c) Batuhan Aydin
Gabriele von Arnim – Abschied leben (Lesung/Gespräch)
01.11.2026 13:00 Uhr – Hafenbahnhof Sassnitz

„Abschiede sind auch der Weg zur Freiheit.“
Mutig und eindringlich geht der gefeierte Schauspieler Peter Jordan neue Wege und beschäftigt sich in einem autobiographischen Essay mit Fragen der deutschen Schuld, seiner eigenen Herkunft, seiner Rolle als Vater und seinen Rollen als Nazi, die er wieder und wieder zu spielen hat. Ein aufrichtiges, scharfsinniges Buch eines der besten Schauspieler des Landes.
(c) Paulina Hildesheim (Laif)